Willst du mehr Verantwortung – oder einfach nur mehr Geld?
Eine Kollegin wollte unbedingt Teamleiterin werden. Auf die Frage, was das konkret bedeutet, kam: „Eigentlich geht's ums Geld."
Eine Kollegin wollte unbedingt Teamleiterin werden. Auf die Frage, was „Verantwortung" für sie konkret bedeutet, kam nach kurzem Zögern: „Eigentlich geht's vor allem ums Geld und darum, irgendwie weiterzukommen." Sie wurde Führungskraft — und war damit unglücklich.
Karrierepfad: Führung oder nichts?
In vielen Unternehmen gibt es nur einen Weg nach oben: disziplinarische Führungskraft werden. Menschen streben diese Position an — nicht weil sie führen möchten, sondern weil das System es so vorgibt. Das ist ein strukturelles Problem. Und es produziert unglückliche Führungskräfte und frustrierte Teams.
Verantwortung ist kein Titel — Verantwortung ist Haltung
Ich unterscheide vier Dimensionen:
1. Verantwortung als Entscheidungsmacht
Entscheidungen treffen und für deren Konsequenzen einstehen — auch wenn es unbequem wird.
2. Verantwortung als Selbstführung
Das eigene Handeln bewusst im Sinne von Integrität und Verlässlichkeit steuern — auch ohne Führungsrolle.
3. Verantwortung als Beziehungsgestaltung
Für andere Menschen da sein, sie begleiten und fördern. Das ist keine Frage des Titels.
4. Verantwortung als Rechenschaftspflicht
Transparenz gegenüber verschiedenen Stakeholdern — und die Bereitschaft, sich daran messen zu lassen.
Fragen zur Klarheit
Für Mitarbeitende
- Was reizt mich konkret an mehr Verantwortung?
- Will ich Menschen führen — oder Projekte?
- Wäre ich bereit, Verantwortung ohne höheres Gehalt zu tragen?
Für Unternehmen
- Welche Karrierewege existieren außerhalb von Führung?
- Fördern wir Menschen, die wirklich führen möchten?
- Wie sprechen wir intern über Verantwortung?
Ehrlichkeit über die eigenen Karrieremotive spart Enttäuschung — auf beiden Seiten. Und manchmal ist die beste Antwort: mehr Geld fordern, ohne Führungsrolle anzunehmen.