Meine Einsamkeit in der Führungsrolle
Erste Führungsposition, schlechte Reorganisation, männerdominiertes Umfeld — und wie ich trotzdem nicht gekündigt habe.
Meine erste Führungsposition war aufregend, stolz — und unerwartet einsam. Eine schlecht kommunizierte Reorganisation, ein männerdominiertes Umfeld, fehlende Erfahrung und zu wenig Toleranz für Anfängerfehler. Ich hätte fast gekündigt.
Als junge Frau ohne etablierte Führungshistorie wurde mir die Kompetenz abgesprochen — sowohl fachlich als auch in der Rolle. Ich gehörte nicht mehr dazu und fühlte mich täglich in Meetings und Gesprächen ausgeschlossen. Trotz meiner Bemühungen um offene Kommunikation und Zusammenarbeit.
Der Wendepunkt: Ein unternehmensinternes Management-Qualifizierungsprogramm. Es bot mir ein Netzwerk mit anderen Teamleitungen, externe Coaches und mehr Austausch mit meiner Abteilungsleiterin. Ohne diese Unterstützung hätte ich gekündigt.
Wege aus der Einsamkeit in der Führungsrolle
1. Netzwerke aufbauen
Verbindung zu Gleichgesinnten suchen — unternehmensübergreifend oder in Branchen-Communities. In starken Netzwerken merkt man schnell: Die eigenen Herausforderungen sind nicht einzigartig.
2. Sparringspartner:innen suchen
Eine vertrauenswürdige Person in ähnlicher Position finden — innerhalb oder außerhalb des Unternehmens. Funktioniert wie Coaching auf Augenhöhe: gegenseitiger Erfahrungsaustausch, Unsicherheiten relativieren.
3. Mentoring nutzen
Erfahrene Führungskräfte um Mentoring bitten. Sie haben denselben Weg bereits bewältigt. Spezielle Programme für Frauen sind besonders wertvoll — nicht weil Frauen schwächer sind, sondern weil die Rahmenbedingungen oft andere sind.
4. Kollegiale Beratung
An Formaten wie kollegialer Fallberatung teilnehmen. Dort lernt man: Andere haben ähnliche Probleme. Falls kein Format existiert — selbst eine Austauschgruppe initiieren.
5. Eigene Initiativen ergreifen
Nicht passiv warten. Informelle Treffen mit anderen Teamleitungen vorschlagen, Menschlichkeit zeigen, um Feedback bitten. Dadurch entstehen Brücken — zu Kolleg:innen und zu den eigenen Mitarbeitenden.
Führungskräfte sind keine Feinde — sondern Menschen, die Verantwortung tragen. Hinter dem Titel stecken individuelle Stärken, Schwächen, Hoffnungen und Sorgen. Echte Zusammenarbeit entsteht, wenn wir einander offen und respektvoll begegnen. Neue Führungskräfte brauchen Unterstützung — nicht Ausgrenzung.